Dienstag, 19. Januar 2010

Linda in Sydney - Part 1

Oder auch: "Ich hab Angst vor den Tauben!"



Halt, halt, halt! Stop. Langsam. Wir wollen die Geschichte ganz von vorne beginnen:

Jonathans und mein Aufenthalt in Australien wäre die perfekte Gelegenheit um in Australien Urlaub zu machen. So sieht der Plan von Linda im Herbst 2009 aus. Wann ist der beste Zeitpunkt dafür? Vor Weihnachten, nach Weihnachten? Während der Vorlesungszeit, nach der Vorlesungszeit? Nach einigem Überlegen nimmt der Plan Ende November Formen an und ein Flug wird gebucht.

Linda in Australien - 15.01.2010 bis 31.01.2010

Die Reisezeit fällt genau in den bisher angenehm warmen und nicht zu heißen australischen Hochsommer. Perfekt. Der Reiseplan sieht folgendermaßen aus: Sydney - Tasmanien - Melbourne - Sydney.

Für mich heißt dass, dass die Zeit der Vorfreude anbricht. Besonders während der langen Flugdauer zähle ich ungeduldig die Stunden. Am Freitagmorgen ist es dann endlich soweit - nach 30 Stunden Reise tritt Linda im 28°C warmen Sydney aus dem Bus. Dank eines Zwischenhaltes in Shanghai ist der Temperaturübergang vom tiefsten Winter in den Hochsommer nicht so schwerwiegend und auch die Müdigkeit hält sich in Grenzen.

1. Tag:

Wir lassen es ruhig angehen. Linda lernt ihr Domzil (Matratze in meinem Zimmer) kennen, entdeckt wichtige Dinge wie Supermärkte und sieht außerdem wo ich arbeite. Da sich meine Hefezellen leider nicht von Lindas Ankunft beeindrucken lassen muss ich nachmittags zurück ins Labor. Während dieser Zeit erkundet Linda den Campus und entdeckt dabei mehr Gassen, Orte, Pflanzen und Tiere, als ich in 3 Monaten dort gefunden habe.

2. Tag: 

Morgens geht es los zu den Paddington Markets. Jeder Reiseführer rühmt den Markt in Paddington als den Schönsten Sydneys - deshalb dürfen wir ihn natürlich nicht verpassen. Katha ist auch mit von der Partie und wir verbringen einen schönen Vormittag mit Bummeln, Schlendern, Schauen und Staunen.



Danach geht es zu Fuß ins Stadtzentrum von Sydney. Was machen zwei Mädels in einer Stadt? Richtig! Shopping. Wir wollen: ein Kleid für Linda um zum Pferderennen gehen zu können. Nach erstaunlich kurzer Suche werden wir auch fündig. Schwieriger wird es mit dem Haarschmuck. Es ist üblich sich möglichst aufwendig mit Federn, Bändern, Perlen und Tüll die Haare zu schmücken. Der erste solche Fascinator ist zu klein. Der Nächste zu groß. Die Folgenden zu schwarz, zu bunt, zu kitschig, zu ausladend, zu glitzernd, zu einfach-nicht-passend. Schließlich finden wir einen Laden mit mehreren Schönen zur Auswahl. Nach langem Rumprobieren ist der perfekte Fascinator gefunden und unser Shoppingtrip beendet. Ich bin inzwischen auch ziemlich neidisch auf Linda, weil ihr Fascinator so hübsch aussieht und ich meinen noch selbst basteln muss - wird bestimmt hässlich.
Abends gehen wir Italienisch essen. Fettuccine mit Meeresfrüchten (Linda), Spaghetti mit Rießengarnelen (Sina) und hausgemachtes Tiramisu (schwesterlich geteilt) runden den Tag perfekt ab. Sie erfordern aber auch einen Verdauungsspaziergang, der uns an den Coogee Beach führt. Linda stellt dort erstaunt fest, dass sie vor drei Tagen noch mit Schnee gespielt hat und heute warmen Sand in den Händen hält.

3. Tag:

Wir fahren wieder in die Stadt und Linda muss als erstes die beste Schleckerei Sydneys kennen lernen. Cupcakes! Hier gleich mal wieder das obligatorische Sina-hat-Cupcakes-Foto. Man sollte die Verbreitung von Cupcakes in Deutschland wirklich fördern!



Unser großer Programmpunkt für heute ist eine Aufführung im Sydney Opera House! Wir schauen uns "Bale de Rua" in der großen Konzerthalle an. "Bale de Rua" inszeniert die brasilianische Art zu tanzen: Samba, Street Dance, Capoeira und einiges mehr. Nachdem die schöne Aufführung vorüber ist, mache ich schnell noch verbotenerweise ein Bild vom Konzertsaal. Schließlich sollt ihr ja auch kennenlernen wie es in der Oper aussieht.


Anschließend gehen wir bewaffnet mit Toastbrot in die Royal Botanic Gardens um Kakadus zu füttern. Furchtlos (meine Angst vor den Kakadus mit ihren kräftigen Schnäbeln und spitzen Krallen habe ich bei der letzten Fütterung mit Jonathan überwunden) versuche ich mit meiner Toastscheibe Kakadus anzulocken. Es kommt nur Einer. Und der ist gleich wieder weg. Stattdessen kommen viele, viele Tauben. Die Tauben, die uns immer näher kommen und uns regelrecht belagern, verursachen dann auch den Leitkommentar meines Blog-Eintrages: Linda hat Angst vor den Tauben :)
Richtig spannend wird es dann erst, als tatsächlich viele Kakadus kommen. Und als Premiere: auch Allfarbloris knabbern an unserem Brot!




Zunächst sitzen die Vögel nur auf mir. Ich bin auch diejenige, die das Brot hat. Linda schaut sich erstmal aus sicherer Entfernung an, was die Kakadus so treiben. Als sie schließlich doch ein kleines Stückchen Brot in der Hand hält und eigentlich gerade mich fotografieren will, passiert folgendes: Eine kleine, grün-bunt-gefiederte Gestalt nähert sich langsam von hinten. Sie sucht nach dem geeigneten Landeplatz... und wählt... Lindas Kopf. Wie es sich anhört, wenn Linda von einem Allfarblori überrascht wird und ihr dieser um den Kopf schwirrt, erfahrt ihr hier:



Als der zweite Lori sich dann vorsichtiger nähert und auf der Schulter landet, ist Linda schon um einiges ruhiger, auch wenn man noch eine gewisse Schutzhaltung erkennen kann...



Schließlich kommt dann auch der große Kakadu, setzt sich brav auf die Schulter, frisst und posiert gemeinsam mit Linda für ein Foto. Linda schau mal freundlich!

Ein anfängliches Lächeln mit nur leichtem Unbehagen...

wandelt sich zu gesteigertem Unbehagen, als der Kakadu sich bewegt...

und endet in einem Gesichtsausdruck, der fast schon Qualen vermuten lässt...

aber lustig war' trotzdem!


Nach so viel Abenteuer bleibt uns dann auch nichts anderes übrig als dann am Abend leckere Muffins mit Icing (Linda) beziehungsweise Cupcakes (Sina) zu backen. Hübsch rosa mit viel bunten Zuckerstreuseln sind sie geworden :)

4. Tag:

Ich muss wieder ins Labor. Wie blöd. Mittags macht auch noch die Waschmaschine ausgerechnet bei Linda Zicken. Noch blöder. Als die Maschine dann endlich einwilligt zu waschen und fertig wird, kann Linda noch das Aquarium und die Wildlife World von Sydney anschauen. Ihre ersten Koalas! Abends sind wir fleißig dabei auszutüfteln, wie wir Lindas Handgepäck am effizientesten packen. Für sie geht es für die nächsten 4 Tage zusammen mit Jonathans Schwester Judith nach Tasmanien.

Danach treffen wir uns am Freitag als Quartett in Melbourne wieder... so far... to be continued...

Freitag, 1. Januar 2010

Happy New Year!


Gerade erst aus dem Urlaub heimgekommen steht auch schon das nächste Ereignis vor der Tür: Silvester!

Jonathan und ich müssen auch nicht alleine feiern, Katha hat Verstärkung aus Melbourne mitgebracht. Unsere Studienkollegen Robert und Jörg sowie Jörg's Freundin Sabrina wollen das neue Jahr auch in Sydney begrüßen.

von links nach rechts: Katha, ich, Robert, Jörg, Sabrina

Sydney ist für seine Silvesterparty bestens gerüstet. Rund um den Hafen mit der Harbour Bridge als Mittelpunkt gibt es mehrere Aussichtspunkte von denen aus man die vielen Feuerwerke im ganzen Hafengebiet bewundern kann. Allerdings ist da nicht jeder Punkt gleich gut. Von manchen aus kann man die Harbour Bridge gar nicht sehen, andere erlauben es nicht eigenen Alkohol mitzubringen, wieder andere haben den Ruf, dass sie bereits morgens um 9 Uhr überfüllt sind. Was also tun?

An dieser Stelle bedeuten 6 Leute auch 6 Meinungen, weshalb wir etwas länger diskutieren müssen bis wir uns auf eine Location einigen können. Wir beschließen zu Bradleys Head zu fahren, einer Landzunge mit Blick auf Opera House und Harbour Bridge. Zwar sind wir dort relativ weit vom zentralen Feuerwerk entfernt, dürfen aber auch eigene Getränke mitbringen und können somit einiges an Geld sparen.

Nummer 41 - Bradleys Head

Wir tätigen also einen Großeinkauf - der sich zu sechst kaum tragen lässt - und statten uns mit reichlich Getränken, Sandwiches, Snacks, Obst und Gemüse ein. Um 9 Uhr am Silvestermorgen geht es dann los - zunächst in die Stadt, dann mit der Fähre an die Nordküste von Sydneys Hafen. Nach einem kurzen Marsch kommen wir gegen 11 Uhr an Bradleys Head an und stellen fest: Mein Gott, ist das voll hier!!

Mit Glück ergattern wir noch ein Plätzchen für unsere Picknickdecken. Obwohl schon jetzt ziemlich viele Leute da sind, füllt es sich mehr und mehr.



Was macht man jetzt, wenn man eine Silvesterfeier schon vormittags und damit so früh wie noch nie begonnen hat? Hmm... Essen. Miteinander reden. Faulenzen. Lesen. Karten spielen. Schlafen. Die Sonne genießen.

Halt! Das letzte stimmt gar nicht. Die Sonne hat sich nämlich in der ersten Tageshälfte ziemlich gut hinter dicken Wolken versteckt und wir mussten stellenweise sogar die Regenschirme auspacken.



Sehr warm ist es aber trotz kurzen Regenschauern. Weihnachten im Hochsommer zu feiern hat sich falsch angefühlt - Silvester in der Hitze zu feiern ist dagegen einfach super! Bis Mitternacht in Shorts und Top draußen zu sitzen und das Feuerwerk zu genießen ist wirklich toll. Ganz anders als zuhause, wo man sich nach 3 Raketen schon wieder ins warme Wohnzimmer zurückwünscht.

Als so langsam der Abend aufzieht verwandelt sich unsere Location vom friedlichen Picknickplatz zur fröhlichen Partymeile und es wird sogar noch voller. Jedes Fleckchen Gras wird ausgenutzt und auch im Hafen drängeln sich inzwischen die Boote.



Um 9 Uhr startet das erste kleine Feuerwerk, sozusagen zum Aufwärmen. Und dann - endlich, endlich, endlich, nach 13 Stunden Wartezeit schlägt die Uhr Mitternacht! 10 Stunden vor Deutschland begrüßen wir zusammen mit 1,5 Millionen anderen Menschen am Hafen von Sydney das neue Jahr! Das spektakuläre Feuerwerk rund um die Harbour Bridge hat seinen Ruf wirklich verdient, es ist wunderschön!

FROHES NEUES JAHR! HAPPY 2010!

Eindrücke von der eigenen Kamera:



Komplettes Feuerwerk (12 Min.) - nicht von mir selber:


Dienstag, 29. Dezember 2009

(K)ein Weihnachten auf Fiji

Vorweg: Wer eine weitere Sicht unseres Urlaubs kennen lernen möchte und von anderen Details erfahren, der sollte sich Jonathan's Blog anschauen. Mehr Bilder findet man in meinen Fotoalben am rechten Rand!

Okay... drehen wir die Zeit erst mal ein bisschen zurück. Urbach, Mitte September:

Während ich vor der Abreise mein Zimmer etwas aufräume, fällt mir ein Reisekatalog von Australien, Neuseeland und Fiji in die Hände. Besonders die paradiesischen Bilder aus Fiji - mit Palmen, weißem Sand und türkisblauem Wasser - fesseln mich. Leider lässt sich Jonathan nicht von meiner Schwärmerei für einen Overwater-Glasboden-Bungalow in einer einsamen Lagune anstecken. Er meint, ich soll mich doch jetzt erstmal auf Australien freuen. Na gut.

Ganz vergessen habe ich Fiji damals aber nicht - als es im November darum geht unsere Weihnachtsferien zu planen kommen mir die Inseln wieder in den Sinn. Thailand? Flug zu teuer. Bali? Überhaupt zu teuer. Tasmanien? Keine Südseeinsel. Also doch Fiji. Nach längerem Suchen finden wir eine günstigen Flug und entscheiden uns für ein Island-Hopping-Paket bei dem man 5 Resorts in 11 Tagen besucht.



Nachdem alles gebucht ist, muss ich erstmal nachschauen wo Fiji überhaupt liegt. Für mich war Fiji seit jeher der Inbegriff des Südseeparadieses, aber wo Fiji überhaupt liegt, davon habe ich keine Ahnung. Peinlich. Falls es noch jemandem so geht wie mir, hier mal eine Karte:



Euphorisch fange ich also an allen Leuten zu erzählen, dass ich Urlaub auf Fiji machen werde. Die Reaktionen sind teilweise leider nicht immer so positiv wie erhofft.

"Fiji? Da würde ich nie hingehen, das soll total touristisch und überlaufen sein."
"In Fiji gibt's doch keine Korallenriffe, da ist alles tot unter Wasser"
"Politisch gesehen ist Fiji sehr unsicher, da herrscht eine Diktatur."
"Haben die nicht gerade Regenzeit?"

Etwas unsicher werde ich dann schon und checke vorsichtshalber den Wetterbericht und sammle Informationen auf Wikipedia. Na... die negativen Meinungen finde ich da mal nicht bestätigt. Glück gehabt.

Was mir aber keiner gesagt hat und was ich auch nicht im Internet gefunden hatte, ist die Tatsache, dass Fiji 5 Tage vor unserer Ankunft von einem schweren Zyklon heimgesucht wurde. Dieser Wirbelsturm hat schwere Schäden hinterlassen und teilweise die komplette Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Bis wir ankommen sind die Fijianer aber schon dabei alles wieder zu reparieren und neu herzurichten - von solchen Naturgewalten wir das Land etwa einmal im Jahr heimgesucht.

Los geht unser Urlaub früh morgens um 5 Uhr in Sydney. Verschlafen geht es mit dem Bus zum Flughafen. Dort die erste angenehme Überraschung: Trotz des günstigen Flugpreises erwartet uns ein nagelneues, sehr komfortables Flugzeug mit modernster Ausstattung. Die In-Seat-Monitore mit Touchscreen und guter Filmauswahl beschäftigen Jonathan den kompletten Flug über. Ich schlafe - wie soll's auch anders sein - bereits nach 20 Minuten ein.



Nach 4 Stunden Flug kommen wir in Nadi (sprich: Nandi) an, decken uns erstmal mit Bargeld ein (1 Fiji-Dollar ist 35 Euro-Cent wert und der Geldautomat spuckt viele kleine Scheine aus) und checken in unser erstes Hotel ein. Das Doppelzimmer mit Gartenblick hat ein Metallstockbett und Blick auf die Hoteleinfahrt. Außerdem ist die Start- und Landebahn des Flughafens nicht weit entfernt. Immerhin ist der Strand direkt vor der Tür und wir können uns die Füße im Pazifik kühlen. Ein paar Hängematten unter Palmwedelsonnenschirmen gibt es auch - also fühlt es sich doch schon ein bisschen nach Südseeurlaub an. Trotzdem sind wir froh, dass wir nicht die ganze Zeit hier sein werden, sondern dass morgen früh schon die erste Insel auf dem Programm steht.



Außerordentlich pünktlich (es herrscht Fiji-Zeit - da ist eine halbe Stunde Verspätung völlig normal) werden wir morgens mit einem Mini-Bus vom Hotel abgeholt und Richtung Robinson Crusoe Island transportiert. Weil es ja eine Insel ist müssen wir noch auf ein kleines Boot umsteigen und erreichen nach einer tollen Fahrt über eine Salzwasserfluss mit angrenzendem Mangrovenwald Robinson Crusoe Island vor der Küste Nadis.




Mit Gesang und Gitarrenmusik werden wir sehr herzlich empfangen und können unser schnuckeliges kleines Häuschen beziehen. Freundliche Insulaner, Palmen, Hängematten am Strand, kleine Bungalows mit Palmendächern - genauso habe ich mir das vorgestellt. Doch halt - was passiert jetzt? Wir lernen die sanitären Einrichtungen der Insel kennen. Es gibt hier kein fließendes Wasser (jeder Liter wird mit dem Boot vom Festland gebracht) und deshalb auch keine gewöhnliche Dusche. Stattdessen muss man in einem Blecheimer kaltes (!) Wasser holen, das Wasser dann in einen zweiten Eimer gießen. Dieser hängt an der Decke hängt und ist mit einem Wasserhahn versehen. Mein erster Gedanke war ungefähr "Oh mein Gott, das darf doch nicht wahr sein." Mein zweiter dann "Na gut, das hat was von Überlebenstraining und passt eigentlich super auf eine einsame Insel." Tatsächlich hat sich das ganze dann auch als ziemlicher Spaß rausgestellt - auch wenn das Wasser wirklich kalt war. Aber bei 30°C ist eine kalte Dusche ja sehr erfrischend.

Auf Robinson Crusoe Island verbringen wir zwei schöne Tage - einerseits mit unterhaltsamem Programm (Einsiedlerkrebs-Wettrennen, Feuertanz, Feuerlauf, traditionelle Kava-Zeremonie), andererseits mit entspannten Stunden im Hängestuhl unter Palmen. Während ich mich hauptsächlich auf's Faulenzen beschränke, ist Jonathan ein Energiebündel, das schon mal im Meer herum schwimmt, mit dem Kajak an der Insel entlang paddelt, sich beim Beach-Volleyball selbst verstümmelt oder einfach mal für 1 Stunde im Urwald der Insel verschwindet (und dann aber mit zwei Kokosnüssen zurückkommt)!

Aber: Auch ich war nicht ganz faul. Bei einem Spaziergang um die Insel, die sich in etwa einer halben Stunde umrunden lässt, entdecken wir tolle Landschaften. Neben dem obligatorischen weißen Sandstrand mit Palmen bietet Robinson Crusoe unberührte Vegetation im Inselinneren und einen kleinen Mangrovenwald. In der Mangrove hat das Biologenherz dann gleich höher geschlagen. Zum ersten Schnorchelgang auf Fiji geht es auch - mit dem Boot werden wir zum der Insel vorgelagerten Riff gebracht. Leider gibt es dort außer Fischen nicht viel zu sehen - der tote Korallenfels enttäuscht wenn man schon lebendige Riffe gesehen hat.

Robinson Crusoe Island war sehr schön, aber man kann ja nicht ewig bleiben und so geht unser Trip nach zwei Tagen weiter. Zunächst erscheint unsere Reise organisiert - von der Insel geht es mit dem Boot zurück auf die Hauptinsel, dort erwartet uns ein Chauffeur. Der bringt uns dann aber nicht zum nächsten Resort, sondern nur bis zur örtlichen Polizeistation. Polizei? Nein, sie wollten uns nicht verhaften, sondern es ist wohl üblich, dass die Polizisten für die Touristen Busse anhalten. Kurz darauf sitzen wir also in einem Reisebus gen Süden. Der wirft uns dann auf der Hauptstraße vor unserem nächsten Hotel raus. Was jetzt tun? Einfach mal Richtung Resort laufen. Glücklicherweise gabelt uns ein netter Fijianer auf und bringt uns mit seinem Auto zum Mango Bay Resort - andernfalls hätten wir uns von der Hauptstraße aus noch die Füße wund gelaufen. Ob diese Art des Transports von Anfang an so in unserer Buchung geplant war ist mir bis heute noch nicht klar, aber immerhin sind wir angekommen.



Mango Bay liegt an der Coral Coast, das ist die Südküste der Hauptinsel Viti Levu. Diese Region wurde am heftigsten vom Zyklon getroffen und dementsprechend schlimm waren auch die Verwüstungen. Die meisten Bäume und Sträucher hatten keine Blätter mehr und selbst die Palmen waren stellenweise komplett kahl oder einfach abgeknickt wie Streichhölzer. An der Rezeption erfahren wir dann, dass die Unterkunft, die wir gebucht hatten nicht mehr existiert. Weggefegt vom Sturm. Eigentlich ziemlich schlecht, für uns dann aber positiv, weil wir ein kostenloses Upgrade auf einen Bungalow mit Ozeanblick und Freiluftdusche erhalten. Besonders die Dusche war genial. Stimmungsvoll gestaltet ist eine warme Dusche unter freiem Himmel ein echtes Erlebnis.



Mango Bay bietet zwar nicht so viele Aktivitäten wie Robinson Crusoe Island und es gibt im Gebiet um das Resort auch nicht so viel zu entdecken, aber dennoch sind auch die Tage hier wieder sehr schön. Einziges Manko: Es gibt am Strand keinerlei Schatten - man brutzelt also wie ein Brathähnchen in der Sonne und hält es nach kurzer Zeit nicht mehr aus. Trotz Flucht in den etwas kühleren Bungalow und ständigem Eincremen gibt's dann auch prompt einen Sonnenbrand. Macht aber nix, spätestens Abends beim erstklassigen a-la-Carte Abendessen hat man den roten Bauch schon wieder vergessen und der Bauch freut sich darüber mit leckerem indisch-angehauchten Essen gefüllt zu werden :)

Ein Abenteuer gab's hier auch zu erleben - zumindest für Jonathan. Am ersten Nachmittag will er unbedingt noch Schnorcheln gehen, ich aber nicht. Also geht er alleine los. Allerdings nicht ohne einen Berg guter Ratschläge und Verhaltensregeln meinerseits: Nichts anfassen, nicht zu weit rausschwimmen, nicht an die Riffkante gehen, in Sichtweite bleiben, immer mal wieder winken um mir am Strand zu verstehen zu geben, dass alles in Ordnung ist. Leider war das wohl völlig umsonst, denn er endet viel zu weit draußen und viel zu weit weg vom Strand, so dass ich ihn nicht mehr sehen kann. Mir wird am Strand schon ganz Angst und Bange, weil ich nicht weiß, ob er da zwischen den Wellen tatsächlich noch herum paddelt. Ihm ist das Herz aber wohl noch tiefer in die Hose gerutscht, als er dort draußen im Ozean einem Hai gegenüber stand. Zumindest sein Gesichtsausdruck nach der Rückkehr an den Strand sprach Bände. Ich bin froh, dass ich ihn heil wieder habe.

Wegen des Hai-Zwischenfalls braucht es am nächsten Tag dann einiges an Überredungskünsten und schlussendlich die Drohung wieder alleine zu gehen, um mich ins Wasser zu bewegen. Schnorchelnd entdecken wir einen kleinen Stachelrochen - sonst aber leider nicht viel, weil die Strömung viel zu stark ist und mich bald die Kräfte verlassen. Zum Abschluss bietet uns Mango Bay am Abend dann noch den eindrucksvollsten Sonnenuntergang unseres Urlaubs.



Unsere Reise führt uns nach zwei Tagen dann wieder in Richtung Norden, zunächst mit dem Bus zurück nach Nadi. Von dort aus müssen wir ein Taxi nach Port Denaurau nehmen, von wo unser großer Katamaran zur nächsten Insel ablegt. Taxi klingt im ersten Augenblick wohl gut, beim näheren Betrachten hat das aber so einige Tücken auf Fiji. Beim Einsteigen verbrennt man sich im kurzen Rock erstmal gewaltig die Schenkel, weil sich die geschmackvollen Plastikbezüge unheimlich aufheizen. Nach geschätzten 20 Anlassversuchen und der Erklärung des Fahrers "das macht das Auto erst seit heute Morgen" geht die Fahrt dann auch endlich los und endet unerwarteterweise heil am richtigen Ziel.

Inzwischen ist es der 24. Dezember und wir erreichen mit dem Katamaran Beachcomber Island in den Mamanuca Islands. Beachcomber ist ein kleiner, flacher Sandfleck mit ein paar Palmen in der Mitte und viel Korallen drum herum. Die ganze Insel lässt sich in 10 Minuten umrunden und ist damit sehr schnell erkundet. Auch hier ist Schatten am Strand wieder etwas Mangelware, weshalb wir öfter schnorcheln gehen - im Wasser ist zwar die Gefahr Sonnenbrand zu bekommen nicht kleiner, aber die Hitze wesentlich besser ertragbar.



Weiter im Norden sind ist jetzt auch das Korallenriff schöner. Wir sehen lebendige Korallen, viele Fische, Seegurken, Seesterne, Seeigel, Schwämme und einiges mehr. Beim Schnorchelausflug per Boot finden Jona und ich uns plötzlich inmitten eines großen Schwarms kleiner schwarz-weißer Fische wieder, die einem völlig die Sicht nehmen und 10 cm vor der Taucherbrille entlang schwimmen.

Beachcomber ist also auch der Ort an dem wir Weihnachten feiern. Etwas komisch ist es schon, wenn man im Bikini am Strand liegt und eigentlich in Weihnachtsstimmung sein soll. Wir verbringen den Heiligen Abend zusammen mit einem netten Paar aus Kanada, die genau wie wir zuvor in Mango Bay war. Erst als in der Bar dann Bier-Trinkwettbewerbe stattfinden, beschließen wir uns zu verabschieden und feiern unser eigenes kleines Weihnachten am Strand. Geschenke werden ausgepackt, Lebkuchen wird gegessen, die Weihnachtsgeschichte wird gelesen. Trotzdem fehlt irgendwas - Fiji ist zwar bislang traumhaft, aber ein richtiges Weihnachten ist unmöglich.



Morgens gibt es dann noch eine sehr positive Überraschung - nach dem ewigen "Kontinentalen Frühstück" (schlabbriges Toast mit einer Sorte Marmelade, Cornflakes und Saft) gibt es hier Pfannkuchen, Muffins, Eier, allerlei Herzhaftes und einen Koch, der einem ein Omelette auf Wunsch zubereitet. Mjamm! Das kann doch glatt als gutes Weihnachtsfrühstück durchgehen.

Wieder zwei Tage später heißt es dann "Auf Wiedersehen, Beachcomber" und wir besteigen wieder den Katamaran in Richtung Norden. Es geht zur Inselgruppe der Yasawas. Schnell ändert sich das Bild - statt kleiner Sandflecken erheben sich größere felsige Inseln mit eingebetteten Palmenstränden. Einer davon ist dann auch unser Ziel: Das Mantaray Island Resort auf Nanuya Balavu.



Mantaray Island entpuppt sich schnell als absolutes Highlight und ist der krönende Abschluss unserer Reise. Hier wären wir gerne noch viel länger geblieben! Die Insel bietet schöne Strände und viel zu entdecken und man kann endlich auch wieder den ganzen Tag am Strand liegen. Hängematten unter Palmen sind ausreichend vorhanden - wenn auch nicht immer einfach zu beherrschen. Jonathan wurde schnell dafür bestraft, dass er mich ausgelacht hat, nachdem ich aus der Hängematte gefallen bin - in einer unachtsamen Minute purzelt er selber auch von der Hängematte in den Sand.

Außerdem bietet Mantaray das wohl schönste Strandriff auf ganz Fiji (laut Aussage der Inselbevölkerung - wir wissen nicht ob es stimmt, aber wir glauben, dass es nicht viel schöner geht)! Die Farbenvielfalt, die Korallenpracht, die Formen, die Tiere - wow! Ich habe viele schöne Riffabschnitte im Roten Meer gesehen, aber das Riff hier, das war noch besser. Zu sehen gab es einen Blaupunkt-Stachelrochen, Doktorfische, Falterfische, Drückerfische, Anemonenfische, Flötenfische, Seesterne, Seegurken, Seeigel, Muscheln und Korallen aller Art und noch so vieles mehr, die Vielfalt und die Farbenpracht lässt sich leider nicht in Worte fassen. Uns hat definitiv ein Unterwassergehäuse für unsere Kamera gefehlt - so schade! Bis zum Great Barrier Reef versuchen wir aber eines zu besorgen und dann können wir wenigstens von dort Bilder machen. Bei so schöner Unterwasserwelt war dann auch ich jeden Tag mindestens einmal Schnorcheln - für mich ist das echt viel, denn mit dem Meerwasser hab ich es eigentlich nicht so. Ganz anders Jonathan - ihn konnte man kaum noch aus dem Wasser rausbekommen. Ich hatte schon Sorgen, dass seine Füße noch mit den Flossen verwachsen.

Besonders toll war es noch, dass wir auf Mantaray Island die Gelegenheit bekommen haben mit den namensgebenden Mantarochen zu schwimmen. Diese majestätischen, rießigen und friedlichen Tiere sind in der Nähe der Insel in einem Kanal mit starker Strömung anzutreffen. Dort wurden wir mit dem Boot ausgesetzt, haben uns mit der Strömung treiben lassen und wurden dann wieder aufgesammelt. Unterwegs sind einem dann die Mantarochen begegnet. So ein gewaltiges Tier schwimmt ganz einfach gegen die Strömung an, während man selber selbst bei maximalem Kraftaufwand gerade mal auf der Stelle schwimmen kann. Die Mantas sind auch überhaupt nicht scheu und lassen einen Schnorchler ganz nahe herankommen. Faszinierende Tiere!

Schweren Herzens mussten wir uns aber auch von Mantaray Island nach zwei Tagen wieder verabschieden. Die netten Resort-Mitarbeiter haben uns sogar noch ein Abschiedslied gesungen. Ich glaube übrigens auch entdeckt zu haben, was Will Smith macht, wenn er gerade keinen Film dreht: Er fährt auf Mantaray Island Touristen mit dem Boot spazieren! *lacht*



Die letzte Nacht verbringen wir dann wieder in Nadi im selben Hotel wie zu Beginn. Dieses Mal bekommen wir allerdings ein schönes Zimmer mit breitem Doppelbett und Ozeanblick. Bei Feuer- und Messertänzen genießen wir dann unseren letzten Abend bevor es am nächsten Nachmittag zurück nach Sydney geht.



Schön war's!

Freitag, 18. Dezember 2009

Frohe Weihnachten!

Nach zwei Wochen mit relativ viel Arbeit im Labor, einer Weihnachtsfeier mit vielen Leckereien und schönen gemeinsamen Tagen in Sydney verabschieden Jonathan und ich uns in die Weihnachtsferien!
In 7 Stunden geht der Flieger nach Fidschi und wir freuen uns schon wahnsinnig darauf!

Wir wünschen euch allen wunderschöne Weihnachten, gutes Essen, viele Geschenke und auch ein bisschen Schnee!!


Christmas Barbecue vom Labor


Meine Betreuerin Anita


vor der Harbour Bridge


Sydney Harbour kurz vor'm Sonnenuntergang



Kakadus füttern im Park

...und hier geht's hin... unser Weihnachtsdomizil

Beachcomber Island, Fidschi
(klicken führt zu Google Maps)

Samstag, 5. Dezember 2009

3-Countries-Dinner

Gestern Abend war es soweit und wir haben bei mir in der WG endlich unser lang geplantes 3-Länder-Abendessen veranstaltet.


Plan:
Ich und meine drei Mitbewohner Candy (China), Alex (China) und Mac (Pakistan) wollen jeweils etwas Landestypisches kochen und unsere Freunde einladen.


Schritt 1 - Überlegen:
Was kann ich kochen, was erstens typisch deutsch und zweitens auch problemlos machbar ist? Mein Kopf ist leer. Die rettende Idee hat dann Jonathan: Kässpätzle.


Schritt 2 - Rezept:
Schnell E-Mails nach Deutschland schicken um noch rechtzeitig das Spätzlerezept von Oma zu bekommen.


Schritt 3 - Einkaufen:
Eier, Mehl und Käse müssen her. Am besten von Aldi, das macht es gleich noch viel deutscher. Nebenbei füllt sich der Einkaufswagen mit allerlei anderen Vorräten und Leckereien, darunter 1,1 kg Gummibärchen... :)


Schritt 4 - Vorbereitung:
Ist alles vorhanden, was man zum Spätzle machen braucht? Holzbrett - Negativ. Plastikbrett tut's auch, hoffentlich landen keine Plastikspäne in den Spätzle. Spätzlesschaber? Negativ. Ein chinesisches Messer, dass an ein Hackbeil erinnert erscheint geeignet, weil die Klinge sehr gerade ist. Großer Topf - Vorhanden. Schaumkelle - Naja, zumindest einen Löffel mit Löchern gibts. Auflaufform - wird schnell aus Katha's WG ausgeliehen.





Schritt 5 - Zubereitung:
Eier, Mehl, Wasser, Öl und Salz kombinieren, das ist einfach. Den Teig mit einem Holzlöffel dann in die richtige Konsistenz bringen, das ist schon schwieriger. Mein rechter Arm hat schon nach 2 Minuten keine Lust mehr und tut weh. Aber da muss ich jetzt durch. Am Ende hat's geklappt und Muskelkater hab ich auch keinen bekommen. :)

Dann die Spätzle mit dem vorhandenen Werkzeug schaben. Meine Spätzle-Schab-Premiere findet also unter erschwerten Bedingungen und drei extrem neugierigen Beobachtern, die mir in den Topf schauen, statt. Ein bisschen nervös bin ich schon, ich will ja nicht, dass nachher nur Teigsteine im Topf landen. Erstaunlicherweise klappt alles hervorragend und wunderschöne Spätzle entstehen.






Dann alles ruck-zuck mit Käse in die Auflaufform schichten und ab in den Ofen.
Am Ende Röstzwiebeln drauf und fertig!




Irgendwie haben wir es geschafft alle zur gleichen Zeit in nur einer Küche und mit nur einem Herd ziemlich viel Essen zu zaubern. Die reichlich gedeckte Tafel sieht so voll aus, dass wir befürchten das ganze Wochenende davon Essen zu können.



Außer Kässpätzle gibt es pakistanischen Reis mit Erbsen und vielen, vielen Nelken (sehr lecker, aberdie Nelken habe ich aussortiert, weil ich Angst hatte eine zu zerbeissen)

Jakobsmuscheln mit Spargel und Karotten (sehr lecker)

Hähnchenbrustfilet mit Babybambussprossen, Morcheln und Karotten (lecker und schaaarf)



Sowie zwei chinesische Hot Pots (heiße Töpfe) - einer mit Fisch und Gemüse, der andere mit Lamm und Rind. Das Prinzip ist folgendermaßen: Man stellt den Topf auf eine Herdplatte und lässt das ganze kochen. Dann kann man nach Belieben dünne Fleischstreifen oder Gemüse reinwerfen und kochen. Sobald es fertig ist, wird das ganze mit Stäbchen wieder rausgefischt. Das sieht bei den Chinesen kinderleicht aus, als Europäer flutscht einem aber die ganze Zeit nur das Zeug zwischen den Stäbchen durch und man würde ohne Hilfe einfach verhungern :) Das ganze hat also Ähnlichkeit zu unserem Fondue. Besonders viel Spaß macht es den Hot Pot zu essen, weil man ständig dabei ist neue Sachen aus dem Topf zu angeln und sich immer überraschen lassen kann, was man als nächstes findet (dass findet zumindest Candys iranischer Freund, Amir). Der Hot Pot hat allerdings auch einen gewaltigen Nachteil für mich: Er ist so scharf, dass er sogar denen, die es gewöhnt sind den Schweiß auf die Stirn treibt. Nachdem ich schon das Hähnchen mit Bambus scharf fand (und angeblich war es nicht scharf) wurde mir empfohlen besser nichts vom Hot Pot zu versuchen. Ich kann es aber nicht lassen, ich muss es probieren - man kriegt man so was schon mal wieder? Allerdings wasche ich mein geangeltes Fleischstückchen vorher in Wasser um das heiße scharfe Öl zu entfernen. Sehr gute Idee, denn auch abgewaschen brennt es noch ordentlich...



Irgendwie schaffen wir es im Laufe des Abends dann doch das Meiste aufzuessen. Wahnsinn. Wir hatten aber auch gute Esser mit am Tisch, denen angedroht wurde, dass sie erst wieder gehen dürfen, wenn alles weg ist :)


Ausklingen lassen wir das reichhaltige Essen auf der Terrasse, wo uns die Moskitos beissen und ein kleines Possum ganz nahe kommt um sich mit getrockneten Datteln füttern zu lassen.