Dienstag, 16. März 2010

Roadtrip Tag 4: Woolgoolga - Byron Bay (215 km)

Auf der Fahrt von Woolgoolga Richtung Byron Bay im Norden von New South Wales verändert sich plötzlich die Landschaft. Wo vorher unendlich wirkende Eukalyptuswälder das Landschaftsbild beherrschten, tauchen innerhalb weniger Kilometer riesige Zuckerrohrfelder auf. Zuckerrohr? Das zunehmend wärmere Klima bringt nicht nur Zuckerrohr zum Wachsen sondern auch uns langsam ins Schwitzen…


Byron Bay ist nicht nur DIE Surfmetropole von New South Wales, sondern beherbergt mit Cape Byron auch den östlichsten Punkt des australischen Festlandes.


Die berauschende Aussicht müssen wir uns allerdings im Schweiße unseres Angesichts erwandern…


Im Mekka aller Surfer scheint die Uhr langsamer zu ticken. Die Atmosphäre ist unglaublich entspannt, jeder scheint nur nach Byron gekommen zu sein um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Surfshorts und Bikinis dominieren die Straßen, Rastalocken und zerstrubbelte Surferhaarschöpfe an jeder Ecke. Der Sand scheint hier weicher, die Sonne sanfter und die Wogen des Ozeans blauer als anderswo zu sein.


In der lauen Abendsonne gibt es auch für Jona noch eine gechillte Surfsession mit den anderen Surfern, die um das in der Bucht liegende Wrack herum die Wellen entlangsurfen.


Eigentlich hätte unser Tag hier noch nicht enden sollen – wir können uns von der zauberhaften Aura Byrons aber nicht losreißen und lassen den Tag leise unter dem klaren Sternenhimmel von Byron Bay ausklingen.

WER HAT DIE GRÖßTE GARNELE DER WELT?
Ballina. Mit integriertem Fischrestaurant, sodass man im Bauch der Garnele kleine Garnelen verspeisen kann.

Montag, 15. März 2010

Roadtrip Tag 3: Crowdy Head - Port Macquarie - Coffs Harbour (250 km)

Eine zweite Übernachtung am Strand eignet sich bestens für eine frühmorgendliche Surfsession. Kleine, aber saubere Wellen sorgen bei Jonathan für einen endorphinreichen Start in den Tag.


Für die Hafenstadt Port Macquarie war eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp bei einem Koalakrankenhaus geplant. Ein kurzer Spaziergang entlang der Uferpromenade versetzt unserem Zeitplan dann allerdings den Todesstoß...

Um die tristen, großen Steine der Uferbefestigung (Breakwall) etwas ansprechender zu gestalten, werden diese seit Jahren von Besuchern bemalt. Heute findet man dort nun ein kunterbuntes Sammelsurium von allen möglichen und unmöglichen Motiven, Sprüchen und Signaturen.


Wir beschließen, auch uns in dieser „Galerie des Volkes“ zu verewigen. Farbe gekauft, Stein ausgewählt und losgepinselt...

Kaum hat man einen Pinsel in der Hand, rückt man urplötzlich in den Mittelpunkt. Alle möglichen Leute halten an, um die "Künstler bei der Arbeit" zu bestaunen und Fotos vom entstehenden Meisterstück und seinen Urhebern zu machen. Fast etwas unangenehm, zumal die Malerei mit 2$-Farben auf dem unregelmäßigen Stein nicht gerade filigrane Formen und Schattierungen erlaubt. Nach und nach verbinden sich jedoch die blauen und pinken Linien und unser Road-Trip-Bully erwacht zum Leben.


Kaum ist unser Road-Trip-Bully vollendet, schwingen wir uns in unseren Road-Trip-Hippie-Camper und machen, dass wir weiterkommen - nach Frederickton zu Fredo Pies, wo es (angeblich) die besten Pies der Welt gibt.

Zum Schlafen wählen wir einen kleinen Rastplatz am Fuße eines Sikh-Tempels in der Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Woolgoolga.

WER HAT DIE GRÖßTE BANANE DER WELT?

Coffs Harbour. Die Big Banana ist laut Reiseführer auch das erste "große Ding" Australiens, mit dem der Wahn nach großen Dingen erst begonnen hat...

Sonntag, 14. März 2010

Roadtrip Tag 2: Newcastle - Hunter Valley - Crowdy Head (300 km)

Das Hunter Valley steht entgegen seinem Namen nicht für Fuchsjagden und Bärenhatz, sondern für allerlei Gaumenfreuden - namentlich Kellereien, Brauereien und Käsereien.

Allen dreien statten wir einen Besuch ab.

Meinungsaustausch bei der Weinprobe:
  
Sommelier – „Voller, trockener Rotwein mit fruchtiger Note nach Waldbeeren mit weichem Abgang.“
Sina – „Bäh!“
Jonathan – „Hm. Ganz lecker.“

Kein Kommentar.

Nächster Stop: BlueTongue-Brauerei, benannt nach dem Blauzungenskink, produziert Jonathans bescheidener Meinung nach eines der besten australischen Biere. Wie soll es anders sein, stammt doch die verwendete Hopfensorte aus Deutschland.

Wir beschließen unsere eigene kleine Gebräuprobe durchzuführen, verschieben diese jedoch zwecks Fahrtüchtigkeit auf den Abend.


Der letzte Abstecher gilt einer Käserei, die wir etwas skeptisch betreten. Die Käseauswahl im durchschnittlichen Supermarkt beschränkt sich auf die Sorten Tasty, Extra Tasty und Processed Cheese, werden aus irgendeinem Grund alle als Cheddar klassifiziert und schmecken mehr oder weniger nach gar nichts.

Die Vorbehalte zeigen sich jedoch als unbegründet, der angebotene Käse schmeckt hervorragend. Solange man nicht auf den Preis schaut, erhält man also auch in Australien vorzüglichen Käse.

Gegen Abend verschlägt es uns an einen winzigen, malerischen Ort namens Crowdy Head. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte...

Samstag, 13. März 2010

Roadtrip Tag 1: Sydney - Newcastle (165 km)

Geschafft! Seit gestern ist meine Arbeit an der Uni beendet – die Tage davor waren stressig, aber die Arbeit hat sich gelohnt. Mein Projekt und auch mein Abschlussvortrag waren ein voller Erfolg und zum Abschied geht es dann noch mal mit dem ganzen Labor malaysisch essen.
Wieder an der Uni werden die letzten Sachen sortiert und zusammen gepackt. Je später der Nachmittag, desto näher rückt der Abschied. Es fühlt sich sehr seltsam an das Labor und vor allem die ganzen Leute jetzt einfach von einem Tag auf den anderen zu verlassen. Besonders der Abschied von Anita fällt mir erstaunlich schwer. Glücklicherweise ist es noch kein endgültiger Abschied.
Zuhause geht es ans Aufräumen und Packen. Mit einem Koffer bin ich gekommen, mit dem aktuellen Inhalt meines Zimmers lassen sich aber wohl gut zwei Koffer füllen. Erstaunlich wie viel unnötigen Kram man in 6 Monaten ansammelt. Also: Ausmisten!


Nach einer relativ kurzen Nacht holen Jona und ich am Samstagmorgen unser Gefährt und gleichzeitig Zuhause für die nächsten drei Wochen ab. Hippiecamper!
Erste Schwierigkeit schon beim Abholen: Wie zwei Deppen stehen wir 20 min vor einem verschlossenen Tor und merken dann erst, dass der richtige Eingang zum die Ecke liegt. Na das kann ja was geben!
Schließlich sind wir aber einige $$$ ärmer, um ein Leihauto reicher und es geht zurück zu mir nach Hause. Auto beladen, Zimmer ausräumen, Wohnung putzen. Das alles zieht sich ganz schön hin und wir starten am Nachmittag auf unsere große Reise.

Bye bye Sydney -  Welcome Roadtrip!!!


Wir wollen Australien in zwei Etappen entdecken:
Sydney - Cairns, 22 Tage, 2500 km
Darwin - Alice Springs, 9 Tage, 1500 km



Da Internetzugriff, Laptopakku und generell die Zeit zum Bloggen auf unserer Reise ein rares Gut sein werden, beschließen Jona und ich unsere Ressourcen zu bündeln. Von nun an werden auf beiden Blogs also identische Berichte zu lesen sein. Enjoy!

An Tag 1 unserer Reise lotst uns der kleine Nils (unsere Navi-Stimme) heraus Sinas Heimatstadt Sydney gen Norden. Unser erster Stopp ist Newcastle, ein hübsches Städtchen am Eingang des Hunter Valleys. Irgendetwas scheint die Stadt kompensieren zu müssen, denn Besucher werden freudig von Newcastles berühmt berüchtigter Aussichtsplattform begrüßt - dem Giant Penis.


Wer Bill Brysons Down Under gelesen hat, wird bestimmt etwas ungläubig die Passagen über die Affinität der Australier zu großen Dingen geschmunzelt haben. Aber schon auf unserem Trip zu den Grampians begegnete uns der Giant Koala als erstes Exemplar dieser Spezies. Newcastles Giant Penis wird da bestimmt nicht der letzte Gigant unserer Reise gewesen sein.

Sparsam wie wir Schwaben nun einmal sind schlagen wir unser Nachtlager am Fuße eines Leuchtturms am schönen Strand von Nobbys Head auf - illegal, aber günstig.

Sonntag, 28. Februar 2010

Zwei Köpfe in Sydney

Okay, mit dem Titel ist das Soll an schlechten Witzen wohl schon erfüllt :)

Der Februar gestaltet sich als recht kurzweiliger Monat - er hat ja auch nur 28 Tage - weil ich um die Monatsmitte Besuch von Jonathan und Judith (für die, die es nicht wissen: Jonathans Schwester) bekomme. Allerdings kommen die beiden nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.

Während Judith die australische Ostküste erkundet, macht sich Jonathan auf den Weg zu einem verlängerten Wochenende nach Sydney. Sein Versuch über eine neue Busroute zum Flughafen zu kommen scheitert kläglich. Dank eines Unwetters kommt einfach kein Bus und Jonathan wird gezwungen ein Taxi zu nehmen. $ 50 ärmer und kurz vor knapp kommt er also noch am Flughafen an. Nur, um dann zu erfahren, dass sein Flug (der letzte des Tages) aufgrund der Wetterbedingungen gestrichen worden ist. Der nächste Flug geht am nächsten Morgen um 7 Uhr. Wie gut, dass er einen Schlafsack dabei hat und damit halbwegs gut für eine Nacht am Flughafen gerüstet ist. Ich sitze derweilen in Sydney und ärgere mich über die Fluggesellschaft, die jetzt die wenigen Tage, die ich mit Jonathan habe, noch zusätzlich verkürzt...

Während ich gerade - fast einen Monat später - endlich meinen Blog schreibe, erlebe ich das Ganze noch mal: Inzwischen haben wir zwar schon März, aber Jonathan sitzt mal wieder über Nacht am Flughafen. Er will wieder nach Sydney fliegen - natürlich tobt ein Unwetter über Melbourne und sein Flug wird gestrichen. Aber mehr dazu später...

Auch mit Jonathan verbringe ich einen Tag beim Pferderennen. Und wir fangen sogar an zu wetten! Wir halten unseren Einsatz mit einem Dollar pro Person und Rennen sehr gering, aber es macht wesentlich mehr Spaß, wenn man wettet, weil man dann mit seinem Pferd mitfiebern kann! Obwohl ich eigentlich ein unglücklicheres Händchen habe als Jona gewinne ich am Ende in der Bilanz doch 10 Cent mehr als er und sagenhafte 2 Dollar Gewinn können sich doch schon sehen lassen :)


Weil gerade auch Chinese New Year ist schlendern wir am Sonntag über einen chinesischen Markt und schauen uns chinesische Löwentänze an. Außerdem gibt es mal wieder eine leckere Süßigkeit zu essen, davon kann ich einfach nicht genug kriegen!


Nach drei schönen Tagen ruft ihn dann aber doch die Arbeit nach Melbourne zurück. Endspurt! Noch drei Wochen Uni, dann geht es für eine Woche zurück zu mir nach Sydney und dann auf die große Reise! Bei mir geht auch die Arbeit weiter, allerdings nicht so heftig wie bei Jonathan und Judith kommt mich besuchen...

Judith verbringt ihre letzten 4 Tage bevor sie nach Neuseeland fliegt bei mir in Sydney. Wir spazieren (bei 30°C Hitze) an Sydneys schöner Küstenlinie entlang...


baden am Bondi Beach...


füttern die Kakadus in den Royal Botanic Gardens...


absolvieren das Sightseeing-Pflichtprogramm...


und besuchen den Sydney Tower!


Leider verpasst Judith dann um zwei Tage die große Parade anlässlich des Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras (Fasching der Homosexuellenszene). Was für ein Spektakel! So bunt, so schrill, so viel nackte Haut! Diese Parade ist nicht umsonst so berühmt und war echt gigantische anzusehen. Das muss man erlebt haben! Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, habe ich in meinen Bildergalerien (rechts) einige Fotos von der Parade eingestellt... Aber nicht erschrecken, die Parade ist freizügig und ungewöhnlich!


Außerdem habe ich es zusammen mit Katha endlich geschafft surfen zu gehen! 5 Monate Sydney mit seinen traumhaften Surfstränden und wir brauchen so lange, bis wir das endlich mal machen... In unserem Fall ist Surfen = Wellenreiten und es macht wirklich wahnsinnig viel Spaß! Zwar ist es furchtbar anstrengend ständig zu paddeln, versuchen aufzustehen, vom Board runter zu fallen und wieder gegen die Wellen anzukämpfen, aber es hat sich wirklich gelohnt. Auch mein mörderischer Muskelkater bringt mich nicht von dem Entschluss ab das noch mal zu versuchen, wenn Jonathan mit seinem eigenen Surfboard hier in Sydney ankommt!

Nachdem jetzt aber auch schon Ende Februar ist beginnt auch für mich der Endspurt im Labor. Noch zwei Wochen! Eine Woche davon verbringe ich mit viel Laborarbeit um noch alle Experimente fertig zu stellen. Arbeitstage von 8-20 Uhr und Wochenendarbeit sind dabei keine Seltenheit. Aber es hat sich gelohnt!! Meine Klonierungsarbeit war ein voller Erfolg und meine Hefezellen leuchten genau dort grün wo sie sollen. Das war jetzt sehr unwissenschaftlich ausgedrückt - vielleicht folgen später nach erfolgreichem Abschussvortrag noch genauere Informationen zu meinem kleinen Forschungsprojekt.

Bis dahin...

Sonntag, 31. Januar 2010

Linda in Sydney Part 2 - Yum Cha und Race Day

Wieder in Sydney angekommen hat mich die Arbeit gleich wieder fest im Griff. Zumindest für zwei Tage. Linda erkundet in der Zeit wieder ein bisschen die Stadt... und vor allem die Einkaufsmöglichkeiten. Einer ihrer Shoppingtrips kommt auch mir zu Gute, denn sie bringt Cupcakes mit! Da wir schwesterlich alle Sorten teilen, komme ich meinem Ziel - alle Cupcakes-Sorten zu probieren solange ich hier bin - deutlich näher.
Wir wagen uns außerdem in eine Bar zu einem Karaokeabend (und können sogar Katha überzeugen mit zu kommen) - singen dann aber doch nicht. Ein Singstarabend ist aber fester Programmpunkt nach meiner Rückkehr!

Das nächste besondere Event steht dann Freitagvormittag an. Wir gehen mit den Leuten aus meinem Labor Yum Cha essen! Yum Cha??? Was ist denn das? Die Frage werden sich jetzt wahrscheinlich die meisten stellen und ich selber hab mich das auch gefragt. Yum Cha ist chinesisch - genauer gesagt kantonesisch und heißt übersetzt "Tee trinken". Eine andere Bezeichnung dafür ist Dim Sum. Yum Cha ist also eine Art chinesischer Brunch bei dem man Tee trinkt und nebenher viel isst. Sehr viel. So wie bei einem deutschen Brunch quasi auch :)
Auf dem runden Tisch steht eine drehbare Platte und kleine Chinesinnen laufen mit großen Servierwägen durch die Gegend auf denen sie kleine Körbchen mit allerhand Leckereien spazieren fahren. Es gibt so ziemlich alles was man sich an chinesischen Essen vorstellen kann und auch chinesisches Essen, das man als Deutscher noch nie gesehen hat. Sehr sehr lecker das Ganze. Schade, dass es das bei uns nicht auch gibt.


Nun ja, um ehrlich zu sein muss ich das mit den Leckereien doch wieder etwas zurück nehmen, es gibt nämlich auch Hühnerfüße. Ja, Hühnerfüße. Und damit meine ich jetzt keinen gebratenen Hähnchenschenkel sondern den Teil vom Hähnchen mit den Zehen und den Krallen. Scheint wohl eine Spezialität zu sein. Ich finde, dass es einfach nur ekelhaft ausschaut. Aber überzeugt euch selber:


Meine Kollegen fangen an auf Linda, Katha und mich einzureden. Wir Deutschen müssten doch unbedingt mal die Hühnerfüße probieren. Nein Danke, mir wird schon vom anschauen beinahe schlecht. Ähnlicher Meinung ist auch Katha. Nicht jedoch Linda! Nach einigem Zögern entscheidet sie sich dazu doch so ein glibbriges Füßchen zu probieren. Und genau das war es wohl auch. Seltsam glibberig, scharf gewürzt und ansonsten aber relativ geschmacklos.


Nachdem alle Hühnerfüße weg sind und ich drumrum gekommen bin welche zu essen kommt der beste Teil des Yum Cha. Der Nachtisch. Mango-Pfannkuchen sind sooooooooooooooooo lecker, die könnte es jeden Tag geben *grins*
Mein Fazit: Yum Cha ist unglaublich gut. Wenn irgendjemand ein Yum Cha / Dim Sum Restaurant in Deutschland weiß, dann her mit der Info!

Am nächsten Tag machen wir uns schick und gehen zum Pferderennen! Nachdem ich ja direkt neben der Rennbahn von Sydney wohne, bietet sich das ja geradezu an. Wenn man zum Pferderennen gehen und das auch stilvoll machen will, dann braucht man auf jeden Fall ein elegantes Kleid, hohe Schuhe und Haarschmuck.

Elegantes Kleid? Mein Kleiderschrank zuhause ist voll damit. Nach Australien hab ich natürlich keins mitgebracht. Also wird eben ein halbwegs akzeptables und günstiges Kleid gekauft.
Hohe Schuhe? Siehe oben. Die traumhaftesten Schuhe warten einsam daheim auf meine Rückkehr. Hier hab ich keine dabei, weil in Australien braucht man eh nur FlipFlops. Außer man geht zu den Races.
Haarschmuck? Wird unter größten Bemühungen und begleitet von vielen Flüchen am Abend davor aus Federn, Bändern und Perlen zusammengebastelt. Und sieht am nächsten Tag - als der Kleber endlich getrocknet ist - sogar richtig gut aus.


Zum Pferderennen zu gehen ist hier ein - vor allem bei jungen Leuten - sehr beliebtes soziales Event. Man macht sich hübsch, bringt ein Picknick mit und verbringt den Tag auf dem Rasen neben der Rennbahn. Außerdem wird viel gewettet - wir vertrauen allerdings nicht auf unser Glück und setzen deshalb kein Geld. Nur untereinander geben wir Tipps ab, wobei die Auswahl unserer Pferde hauptsächlich darauf beruht, ob sie hübsch sind oder nicht... :)

Insgesamt 8 Rennen finden über den Nachmittag verteilt statt und laufen immer nach dem selben Muster ab: Die Rennpferde werden an den Zuschauern vorbei zum Sattelplatz geführt, die Jockeys sitzen auf und reiten zum Startgatter. Nachdem alle Pferde mehr oder weniger freiwillig in ihren Startboxen verschwunden sind geht es auch schon los. Die Rennen über 1200 - 2400m sind erstaunlich schnell vorbei und die Sieger preschen auch schon durch's Ziel! Mehr Bilder gibt es wie immer rechts in der Galerie.


So schnell sind also zwei Wochen auch schon wieder um und wir packen Lindas Koffer. Glücklicherweise hat sie noch eine Menge Platz für einige meiner Sachen, so dass ich im April mehr Chancen habe mein Gewichtslimit von 37 kg einhalten zu können...

Danke Linda für deinen Besuch, es war so schön!

Dienstag, 26. Januar 2010

Grampians National Park

Von den Kakadus aus Sydney vertrieben, von den Teufeln in Tasmanien verzaubert - so kommt Linda freitags in Melbourne an. Genau wie ich. Nur wesentlich entspannter.

Mein Trip nach Melbourne hat so einige Tücken zu bieten:
1. Die Busse in Sydney glänzen mal wieder mit Pünktlichkeit. Nach drei ausgefallenen Bussen komme ich abgehetzt am Flughafen an - und checke 1 Min. vor Schalterschluss ein.
2. Die Landung meines Flugzeugs lässt sich durchaus als rau bezeichnen. Festen Boden betrete ich dann mit weichen Knien und dem Herz in der Hose.
3. Der Mietwagen ist in jeder Hinsicht ein Auto mit Rechtslenkung: Der Blinker ist auf der falschen Seite. Leider wissen andere Verkehrsteilnehmer nicht, wo ich hinwill, wenn ich ständig nur meine Scheiben wische.

Dementsprechend bin ich am ersten Abend etwas gestresst und möchte eigentlich meine Ruhe haben. Geht nicht ganz problemlos, wenn man Teil einer größeren Gruppe (Jona, Linda, Judith) ist, klappt dann aber irgendwie doch. Man möge mir nachträglich meine Laune verzeihen :)

Am nächsten Tag wird das Auto mit Campingausrüstung und Verpflegung voll gepackt und wir machen uns über den Great Western Highway auf den Weg nach Halls Gap im Grampians National Park. 


Nach einem Blick auf's Navigationsgerät stellt Jonathan dann entsetzt fest, dass der Grampians National Park ja gar nicht gleich um die Ecke liegt, sondern eine 3-Stunden-Fahrt entfernt ist. 300 km sind für deutsche Verhältnisse ja schon eine ausgewachsene Urlaubsreise, für australische Verhältnisse gleicht es eher einem Tagesausflug. Meine größtenteils schlafenden Passagiere bringe ich sicher ans Ziel.

In Halls Gap, dem touristischen Zentrum des Nationalparks, starten wir einen Spaziergang zu den Venus Baths (Bäder der Venus). Die Venus Baths sind kleine ausgewaschene Steinbecken innerhalb eines Bachlaufes. Da wir mitten im Hochsommer sind, es wochenlang nicht mehr geregnet hat und die Sonne vom Himmel brennt, ist der Bach eher ein schwaches Rinnsal. Schaut man sich aber die Felsformationen an, so scheint es als ob hier ab und an - oder zumindest vor langer Zeit - mehr Wasser fließt.


Am späten Nachmittag "genießen" wir dann ein echt australisches Barbecue - Hackfleischscheiben und seltsame Schlabberwürstchen auf einer heißen Metallplatte braten, dann zwischen extrem weiches Weißbrot packen und mit viel Ketchup (je mehr Ketchup, desto besser der Geschmack) verfeinern. Diese Art des Grillens ist nicht nur unserem Campingbudget geschuldet - viel mehr ist das die normale Art des Barbecues in Australien. Und die Australier scheinen es zu lieben! Für uns Grill-Liebhaber ist das ein echter Graus.

Weiter geht es zu verschiedenen Lookouts, die uns wirklich atemberaubende Blicke über die unglaubliche Weite des Nationalparks gönnen. Mehr als "Wow" habe ich beim Anblick einer solchen Baumlandschaft nicht zustande gebracht. Auch die Felsformation "The Balconies" ist beeindruckend.


Leider haben wir bisher noch keinen Platz zum Übernachten gefunden. Da unser Plan es vorsieht zu Zelten würden wir gerne auf einen Campingplatz gehen. Allerdings braucht man hierzu eine Erlaubnis - ansonsten droht eine Geldstrafe. So eine Genehmigung bekommt man im Informationszentrum (seit drei Stunden geschlossen) oder telefonisch (im Umkreis von mind. 50 km kein Handyempfang). Was also tun? Wir haben zu sehr Angst vor'm Campingplatzwächter und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Fleckchen in der Wildnis um dort unser Zelt aufzuschlagen. So genanntes Bush Camping ist eigentlich erlaubt, es gibt nur einige Regeln. Diese Regeln (1 km vom Campingplatz entfernt, 50 m von der Straße entfernt, nicht unter Bäumen, etc.) machen es unmöglich einen Platz zu finden. Wir erkundigen uns schließlich bei einem Polizisten und er rät uns einfach auf dem Campingplatz zu übernachten und am nächsten Tag zu bezahlen. Mit diesem Rat in der Tasche gehts also zurück zum Campingplatz und wir verbringen eine kalte und recht unbequeme Nacht im Zelt (Judith, Jonathan und ich) bzw. im Auto (Linda).

Am nächsten Morgen schauen wir uns die MacKenzie Falls und zwei historische Stätten mit Wandmalereien von Aborigines an. Mehr oder weniger einstimmig (ich denke ich war die einzige Gegenstimme) wird dann beschlossen eine Wanderung auf den Hollow Mountain zu machen. 
Zunächst ist es schwierig den Hollow Mountain zu finden. Wir versuchen nämlich die unbefestigten Straßen zu umgehen, was dazu führt, dass wir mehr oder weniger im Kreis fahren und schließlich feststellen, dass es nicht anders geht als 4 km über eine Schotter- und Sandpiste zu fahren. Wenn man nur mit 20 km/h voran kommt sind 4 km wirklich sehr lang.

Der Wanderweg zum Hollow Mountain hat laut Hinweisschild die Schwierigkeitsstufe "Mittel" und es wird darauf hingewiesen, dass man ab und an über Steine klettern muss. 1,2 km ist die einfache Strecke lang und überwindet 160 Höhenmeter. Mein Hinweis, dass 160 Höhenmeter auf 1,2 km ganz schön viel sind, wird nicht ernst genommen, ignoriert oder unter "die Sina mag ja eh nicht wandern" abgestempelt.

Zum Thema Wandern: Jeder, der schon mal in den Genuß gekommen ist mit mir wandern zu gehen (ich denke besonders an Ivo und den Berg Moses), wird sich gut vorstellen können, wie ich rumgemosert habe. Wandern ist auch einfach nicht mein Fall und bei 30°C unter sengender australischer Sonne wirklich eine - naja - blöde Idee. Aber ich beuge mich dem Gruppenzwang und laufe mit :)

Schnell wandelt sich der normale Weg in tiefen Sand, was das Laufen schon beschwerlicher macht, und kurz darauf gehen die Felsen los. Erst kleine Steine, dann größere Steine, schließlich richtige Brocken über die man Klettern muss. Noch ist aber alles relativ eben. Trotzdem anstrengend. Nach 500 m und geschätzten 5 Verschnaufpausen scheint es als ob der Wanderweg endet. Tut er aber nicht, man muss nur immer ungefähr den gelben Pfeilen folgen und sich seinen Weg durch unwegsames Gelänge selber suchen. Von den Mädels hat keine so richtig Lust weiter zu laufen - Jonathan sprüht aber mal wieder vor Energie und will unbedingt beenden, was er angefangen hat, auch wenn es anstrengend ist. Zögerlich entschließt sich erst Judith und dann auch ich (ja, ich!) dazu mit ihm weiter bis zum Gipfel zu klettern. Linda möchte lieber im Schatten warten bis wir zurück sind (kluges Kind).


Der Weg nach oben führt über nackten Fels, nah am Abgrund entlang und durch Felsspalten hindurch. Wir schnaufen und schwitzen und schaffen es aber in etwa einer halben Stunde bis nach oben. Dort angekommen werden wir zwar mit einer weiten Aussicht belohnt, aber ob sich der Aufstieg wirklich gelohnt hat, das bleibt fraglich...


Nachdem ich mir auf irgendeiner der steilen Stufen auf dem Weg zum Gipfel des Berg Moses hoch und heilig geschworen hatte, nie wieder - aber auch wirklich gar nie wieder - in meinem Leben auf einen Berg zu wandern, hab ich's also doch bis auf den Hollow Mountain geschafft :)

Der Abstieg ist dann um einiges einfacher als der Aufstieg, wir sammeln Linda wieder auf und beschließen für heute keine weiteren Wandertouren zu unternehmen. Also geht's mit dem Auto weiter nach Horsham und wir verbringen die Nacht wieder auf einem Campingplatz. Unser Abend ist lustig - zumindest für uns, denn wir singen wertvolles deutsches Liedgut (und grübeln etwa eine Stunde lang wie dieses Lied mit "Müll, Müll, Sondermüll" denn weiter geht). Weniger erfreut von unserer guten Laune ist eine andere Campingplatzbewohnerin - sie stapft im Schlafanzug daher und verscheucht uns mit den Worten "This is not a tavern!" ("Das ist keine Taverne!"). Nach einem kurzen Stimmungseinbruch verlagern wir unseren Standort auf eine kleine Insel im nahegelegenen Fluss. Dort entsteht das Limettenmonster - eine Limette mit hellen Flecken die so angordnet sind, dass es aussieht als hätte die Limette Augen und Nase. Linda, warum hast du eigentlich eine Limette dabei gehabt?

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Rückweg nach Melbourne und beschließen noch in Torquay vorbeizuschauen, da außer Jonathan keiner noch Lust auf Wandern hat. In Torquay gibt es keine Wanderwege sondern hervorragende Einkaufsmöglichkeiten und einen schönen Strand. Zum Abendessen gibt's dann leckere Pasta auf Melbournes berühmter Schlemmer-Meile.


So... eigentlich war es das mit unserem Ausflug in den Grampians National Park. Aber halt! Eine Sache kommt ja noch:

AUSTRALIA DAY

Der 26. Januar ist der Nationalfeiertag Australiens. Dieser wird gebührend mit einem - natürlich - echt australischen Barbeque gefeiert. Da es für uns Deutschen der erste (und einzige) Australia Day ist organisiert Jonathans Mitbewohnerin Bobbie eine große Party bei sich zuhause, so dass wir einen schönen Australia Day verbringen können. Wie es so Brauch ist kleidet sich jeder in den australischen Farben der Flagge (blau-weiß-rot) oder den Nationalfarben (grün-gelb) ein. Außerdem darf der australische Nationalsport Cricket (sehr komisches Spiel) nicht fehlen. Jonathan ist natürlich mit von der Partie.


Ich muss dann leider schon recht früh wieder zum Flughafen aufbrechen um wieder nach Sydney zu fliegen, Linda folgt mir am nächsten Morgen. Und dann gehen die Erlebnisse weiter...

(Mehr Bilder gibt's rechts unter "Sina's Bildergalerien"!)